Zuerst müssen einige populäre Irrtümer aus dem Weg geräumt werden:
- Der Tequila wird nur mit einem L geschrieben und deshalb auch einfach nur Tequila gesprochen, auch wenn uns „Tequilla“ viel spanischer vorkommt.
- Tequila wird nicht aus einer Kaktus-Pflanze gebrannt; die Mutterpflanze, die Agave, ist zwar stachelig wie Kakteen, ist aber ein Liliengewächs.
- Tequila-Flaschen haben nicht zwangsläufig einen Sombrero-Hut auf dem Kopf.
- Tequila wird meist nicht mit Salz und Zitrone getrunken. Und wenn doch, dann ist die Reihenfolge beliebig, auch wenn uns angebliche Kenner ihren Ritus vorschreiben wollen. Apropos In Mexico gibt es nur Limetten.
- Im Tequila ist nie ein Wurm! Die Maguey-Schmetterlingsraupe (es ist gar kein Wurm) landet nur in Mezcal-Flaschen, und zwar meist in denjenigen, die zum Export bestimmt sind. Es sind auch nur die Europäer die diesen Wurm essen. Der "Wurm" wurde ursprünglich nur in den Mezcal gegeben um zu sehen ob das Destillat überhaupt trinkbar ist. Ist der Wurm nach einigen 'Tagen zerfallen dann sollte man das Gesöff besser nicht Trinken, wurde der Wurm aber Konserviert, konnte man es ohne weiteres trinken. Qualitätskontrolle der etwas anderen Art.
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Legende
Der Teufel hat den Schnaps gemacht, aber mit Tequila kann er sich nicht schmücken: für den sind die Götter zuständig, erzählt eine mexikanische Legende. Demnach war im Himmel der Teufel los, weil sich die Götter stritten. Der Streit löste einen Blitz aus, dieser fuhr in eine blaue Agave, brachte deren Strunk zum Kochen und: ein klarer Saft floss heraus – der Tequila. Ein Götter-Geschenk, das zu Azteken-Zeiten den hohen Priestern vorbehalten blieb.
Historie
Vor mehr als 1000 Jahren machten die Azteken aus dem Agavensaft einen vergorenen aber nicht destillierten Vorläufer des Tequila: die pulque. Diese wird auch heute noch in mexikanischen Pulquerias ausgeschenkt. Mit den Spaniern kam im 16. Jh. das Verfahren der Destillation ins Land. Nach einigen Experimenten mit verschiedenen Agavenarten und Brenntechniken war der Agaven-Brand geboren, den man vino mezcal nannte. Zu Beginn des 19. Jh. begann man in Mexiko die Blaue Agave in und um die Stadt Tequila als Feldfrucht anzubauen und der vino mezcal dieser Region nahm den Namen seines Anbaugebietes an - Tequila.
Was ist Tequila?
Tequila ist eine besondere Form des Mezcals, eines Agaven-Brandes aus Mexiko. Im Gegensatz zum Mezcal wird Tequila nur aus einer bestimmten Agaven-Pflanze hergestellt: der Blauen Weberagave (
Agave Tequilana Weber, azul, Agavaceae). Er darf nur in Mexiko in fünf dafür ausgewiesenen Regionen produziert werden: im Staat Jalisco sowie in bestimmen Ortschaften der Staaten Nayarit, Michoacán, Guanajuato und Tamaulipas.
Herstellung
Die Blaue Agave wird zwischen dem 8. und 12. Jahr geerntet. Je länger die Standzeit ist desto höher ist auch der Zuckergehalt. Nach der Ernte durch den
jimador werden alle Blätter abgeschlagen. Übrig bleibt das Herz, welches bis zu 80 kg wiegt. Da es einer Ananas ähnlich sieht wird es auch
piña genannt.
Traditionell werden die
piñas zum Garen in Ziegel- oder Betonöfen, in
hornos, gepackt. Während des Garvorganges, der 24 bis 36 Stunden dauert, geben die Agaven das sogenannte Honigwasser ab. Nach dem Abkühlen wird den Agaven das gesamte
aqua miel ausgepresst und der darin enthaltene Zucker wird zu destillierbarem Alkohol vergoren. An dieser Stelle wird entschieden, ob aus dem Saft ein
Premium Tequila aus 100% Blauer Agave oder ein sog. Mixto hergestellt werden soll. Für den Premium Tequila wird ausschließlich Agavensaft verwendet. Ein Tequila Mixto muss nur 51% Agavensaft enthalten und wird mit Fremdzucker (meist Rohrzucker oder Melassesirup) gemischt.
Die vergorene Flüssigkeit, der
mosto, wird nun destilliert - nach mexikanischer Gesetzgebung mindestens zwei Mal. Die durch die zweite Destillation entstandene Spirituose ist Tequila in seiner reinsten Form, ein
blanco Tequila.
Qualität
Man charakterisiert Tequila zum einen nach seinem Agavengehalt und zum anderen nach der Dauer seiner Reifung.
Die Unterscheidung nach dem Agavengehalt, also ob es ein Tequila Mixto oder ein Premium Tequila 100% Blue Agave ist, wurde bereits im vorherigen Kapitel beschrieben. Man kann davon ausgehen, dass jeder Tequila mit Sicherheit ein Mixto ist, auf dessen Etikett nicht ausdrücklich vermerkt ist, dass es sich um einen 100% Agave Tequila handelt. Im Gegensatz zu einem Mixto, den man auch außerhalb Mexikos abfüllen darf, muss ein 100% Agave Tequila in Mexiko selbst abgefüllt werden.
Die Klassifizierung nach Art und Dauer der Reifung unterscheidet fünf wesentliche Qualitäten:
1.
blanco, silver (weiß): ist ein klarer, transparenter Tequila, der in der Regel unmittelbar nach der Destillation in Flaschen abgefüllt wird. Das Aroma ist blumig, kräuterähnlich, bisweilen etwas pfeffrig, abgerundet durch die natürliche Süße der Agaven.
2.
oro, joven, gold: sind weiße Tequilas (meist Mixto), die mit Karamell oder anderen Zusatz- und Farbstoffen versetzt werden, um die Wirkung der Fass-Reifung zu simulieren.
3.
reposado, aged (gelagert): dieser Tequila muss mindestens sechzig Tage in Eichenholz-Behältern geruht haben. Der Tequila nimmt eine hell- bis goldgelbe Farbe an und er wird insgesamt weicher, das Agavenaroma ist gleichwohl noch sehr deutlich.
4.
añejo, extra-aged (gealtert): ist ein Tequila, der mindestens ein Jahr in staatlich verplombten Eichenholz-Behältern lagert. Die Fässer dürfen eine Größe von 600 Litern nicht übersteigen. Oft handelt es sich um 190-Liter-Whisky-Fässer aus Kentucky. Die Farbe ist Gold- bis Dunkelgelb, das Aroma ist mild und weich sowie ausgewogen zwischen Agavengeschmack und der Würze, die durch die Holzlagerung verursacht wird.
5.
extra añejo, ultra-aged: für die Lagerung gelten ebenso die strengen Regeln wie für den
añejo, jedoch muss er mindesten 3 Jahre lagern.
Tequila trinken und genießen
Trinken Sie 100% Blue Agave Tequila nicht aus einem Schnapsglas (Shot), da die geschmacklichen Feinheiten so nicht optimal zur Geltung kommen!
Aufgrund ihrer Reinheit bringen
blanco Tequilas den Agavengeschmack am stärksten zum Ausdruck, die lange gelagerten Tequilas sind sehr aromatisch und vielschichtig im Geschmack, die
reposado Tequilas verfügen über das frische Agavenaroma der
blancos als auch über die Sanftheit der
añejos.
Kenner trinken Tequila handwarm und pur aus einem Tumbler oder Nosingglas. Die
añejo und
extra añejo Tequilas sollten aus einem Nosingglas genossen werden, um deren Komplexität einzufangen. Ob vor dem Essen oder nach dem Essen wie einen Whisky, pur oder "on the rocks" ist dem Geschmack und der Vorliebe jedes Einzelnen überlassen.
Der Genuss der
reposado Tequilas liegt irgendwo dazwischen: probieren Sie ihn pur aus einem Sherry- oder Nosingglas, auf Eis, aus einem Tumbler oder in einem Mixgetränk und finden Sie heraus, was Ihrem Geschmack am meisten entspricht.